Geschichte zum Hüttenbau



Übernommen aus dem ersten Bericht der Sektion Sonneberg anno 1901

Das Gebiet des Hoben Göll bei Berchtesgaden war früher Arbeitsgebiet der Sektion Salzburg, die schon im Jahre 1881 den Steig vom Eckerfirst ab bis zur Spitze angelegt hat und seit Jahren mit dem Gedanken umging, zur Erleichterung der Besteigung dieses interessanten Berges ein Unterkunftshaus auf dem Eckerfirst zu erbauen; sie hatte auch schon Unterhandlungen wegen des Grunderwerbs angeknüpft, sah sich aber mit ihren übrigen Hütten derart engagiert, dass sie im Juli 1898 unserer Sektion das Hüttenprojekt überlies. Mit Freude wurde diese dankbare Aufgabe in jener von Sonneberg so leicht zu erreichenden Gegend begrüßt, und in der General- Versammlung vom 10. Aug. 1898 einstimmig der Bau der Hütte beschlossen. Der Bauplatz, ein Stück Alm 40x50 Meter, ist käuflich erworben und der Sektion grundbuchlich überschrieben. Er liegt unmittelbar an der Bayrischen Grenze, auf österreichischem Gebiet, in der Katastralgemeinde Weissenbach, Ortsgemeinde Kuchl des Kronlandes Salzburg. Der Bau des Hauses wurde von dem Zimmermeister Jacob Huber sen. in Golling für den festen Betrag von fl. 4500.- übernommen, doch hatte bei dieser Summe die Sektion Sonneberg das nötige Bauholz zu liefern, welches uns bereitwilligst vom Königlich Bayerischen Forstamt in Berchtesgaden aus dem ½ Stunde unter der Baustelle liegenden Eckerwald abgelassen wurde. Die nötigen Mittel bewilligten die Generalversammlungen unserer Sektion am 26. Januar und 11. April 1899, und der Kostenanschlag ist nahezu genau eingehalten worden. (Siehe Abrechnung über den Bau des Purtschellerbaues). Auf einem vorne (nach Norden) 5 m. hohen Unterbau aus Stein, der einen schönen Keller birgt, erhebt sich der 2 Stockwerke umfassende Oberbau aus Holz, außen Verschindelt und durch Drahtseile verankert. Im Erdgeschosse befindet sich gegen Norden die geräumige Gaststube, deren Wände besonders die Bildnisse Sr. Hoheit des Herzogs Georg von Sachsen Meiningen und Ludwig Purtschellers zieren, letzteres umrahmt von Eispickel, Bergstöcken, Seil etc., die von der Witwe Purtschellers der Sektion gestiftet wurden. Das Zimmer macht einen wohnlichen, gemütlichen Eindruck, selbst eine kleine Bibliothek, Schachbrett, Zither und Gitarre fehlen nicht. Neben dem Gastzimmer befindet sich die Küche und das Zimmer für die Wirtschafterin. Im ersten Stock stehen 3 Zimmer mit je 2 Betten und 2 Zimmer mit je 3 Betten zur Beherbergung der Touristen bereit, während das Dachgeschoss einen Schlafraum mit 7 Matratzenlagern und einen solchen für die Führer mit 7 Schlafstellen birgt. Das Haus liegt 1771 m hoch und ist ganz nahe der Schneide des Eckerfirstes auf der östlichen Lehne, in einer mehr gegen Norden gerichteten Ausbuchtung erbaut, von Salzburg und Golling sichtbar. Von ihm bietet sich eine umfassende und malerische Aussicht dem Auge des Besuchers dar. Im Osten schweift der Blick in das Salzachtal und auf die dasselbe umrahmenden Berge, dann auf die Bergketten vom Traunstein bis zum Dachstein, das Tennengebirge, im Norden über das Rossfeld und die weiteren Vorlagen des Göll nach Salzburg und in die Ebene. Im Westen sehen wir die lieblichen Gelände des Berchtesgadenergebietes mit den sie umfassenden Bergen. Untersberg und Chiemseealpen schließen die Rundschau ab. Im Süden der Gegensatz zur weiten Fernsicht. Da dräuen die himmelanstrebenden Wände des Göll schön und schauerlich zugleich und locken den Beschauer, seinen bezwingenden FUSS auf sie zu setzen. *) 
*) Dr. Zeppezauer, der Hohe Göll und sein Gebiet.

Zum Purtschellerhaus führen folgende Zugänge:
1. von Berchtesgaden über Vordereck-Eckersattel -bequemster Aufstieg in 3 ¾ Stunden.
2. von Hallein
a, über das Pechhäussl- Rossfeld- Ahornalpe- Eckersattel in 6 Stunden
b, durch den Abtswald - über die Leiteralpe- Eckersattel - auf dem neuen Halleiner Weg 4 ½ St.
3. von Golling durch das Weissenbachthal- Dürrfeucbtenalpe- Eckersattel in 3 ¾ Stunden.
4. von Kuchl über die Dürrfeuchtenalpe- Eckersattel in 3 ¾ St.

Sämtliche Zugänge vereinigen sich am Eckersattel (1413 m.), von wo aus ein neuer, von der Sektion Salzburg im Sommer 1899 gebauter Weg, über das Laafeld an einer Quelle vorbei, in Serpentinen hinauf zum Purtschellerhaus (1771 m.) führt.
Der Hohe Göll (2519m.) ist vom Purtschellerhaus in ca. 3 St. auf ebenfalls von der Sektion Salzburg hergestellten A. V. Steig - an den steilsten Stellen -Drahtseile, im Kamin Klammern und Sprossen - zu ersteigen (Vergleiche dazu unsere Festschrift: Dr. Zeppezauer, der Hohe Göll und sein Gebiet Seite 36 etc.). Die Aussieht von der Spitze sucht ihres Gleichen; der prächtige, höchst abwechselungsreiche Rundblick zeigt uns im Norden das grüne Thal der Salzach und die Salzburger Ebene bis weit hinaus in die Bayrische Ebene, begrenzt von Untersberg und Gaisberg. Zahllose Berge reihen sich an diesen nach Osten hin bis zum mächtigen Stock des Dachsteins mit seinem Gletscher und Nebenbergen. Im Westen sehen wir im Vordergrund die lieblichen Täler von Berchtesgaden und der Ramsau, umrahmt von der steilen Felswand des Watzmann, dem Hochkalter, der 
Reiteralm, dahinter Kaisergebirge und Chiemseealpen, während im Süden das Steinerne Meer mit der Schönfeldspitze, das langgedehnte Schneefeld - die übergossene Alm mit dem Hochkönig - und dahinter die Niedertauern und die ganze Kette der Hohen Tauern vom Ankogel bis zu den Zillerthaler Bergen das herrliche Panorama abschließen. Wer von der Spitze des Hohen Göll nicht wieder zum Purtschellerhaus zurück will, wählt den Abstieg über den Brettriedel und das Hohe Brett zum Torrener Joch (3 St.) oder 1/4 Stunde vorher rechts abbiegend durch das Weidbachthal über Krautkaser und Brand nach Berchtesgaden (51/2 St.). Diese Tour, eine äußerst lohnende Gratwanderung mit stets prächtiger Aussicht, wurde früher sehr oft als Anstieg gewählt, dürfte aber seit Erbauung unseres Hauses nur noch als Abstiegsroute, als solche aber allen Besuchern des Hohen Göll auf das angelegentlichste zu empfehlen sein.

Die Sektion Sonneberg blickt mit Ende des Jahres 1900 auf eine zehnjährige Tätigkeit zurück, und wenn sie auch heute erst mit einem Bericht vor die Öffentlichkeit tritt, so hat sie doch alle Ursache, mit den Erfolgen in dieser Zeit zufrieden zu sein.

Als man am 15.November 1890 auf Anregung einer Anzahl (11) Herren, die bis dahin Mitglieder der Sektion Coburg gewesen waren, an die Gründung einer eigenen Sektion " Sonneberg" herantrat, da fanden sich sofort 50 Alpenfreunde hiesiger Stadt als Mitglieder. War dies gewiss ein günstiges Zeichen, so hätte doch damals Niemand es für möglich gehalten, dass die Mitgliederzahl bereits nach 10 Jahren auf 166 steigen könnte. Dies ist der Bestand der letzten beiden Jahre.

Mit einer solchen Mitgliederzahl bei einer Einwohnerschaft von 13,000 dürfte Sonneberg im Verhältnis kaum von irgend einer anderen deutschen Sektion erreicht werden.

Dabei hat die Sektion in den 10 Jahren ihres Bestehens 51 Mitglieder durch Austritt verloren, davon 36 durch Wegzug und 7 treue Mitglieder wurden uns durch den Tod entrissen: Die Herren Cuno Dressel, Carl Pfarr, C.F. Greiner, Oscar Roth, Schuldirektor Dr. Martin, Superintendent Scheler und Louis Lindner, und einen weiteren schweren Verlust hat uns der Anfang des Jahres 1901 gebracht. Am 17. Januar starb plötzlich im 41. Jahre am Herzschlag unser Vorstandsmitglied Herr Carl Andreas Müller. In ihm ist ein Mitglied von uns geschieden, welches sich um die Entwicklung unserer Sektion die größten Verdienste erworben hat. Ein begeisteter Freund der Alpen und ein treuer Anhänger des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, eine ideal veranlagte, stets heitere natur, ausgestattet mit hervorragenden gesellschaftlichen Talenten, stand er im Mittelpunkt unserer Veranstaltungen und Festlichkeiten und wird Allen die ihn gekannt haben, unvergesslich bleiben. Sein Tod hat eine tiefe Lücke gerissen.

Wir bewahren unseren heimgegangenen Freunden ein ehrenvolles Andenken!

Das Leben innerhalb der Sektion war ein äußerst reges, und alle unsere Vereinsabende hatten sich des besten Besuches zu erfreuen. Für die Wintersaissong wurde regelmäßig ein Programm herausgegeben, und es wurden im ganzen während der 10 Jahre: 50 Vorträge, 15 Festlichkeiten, 14 Ausflüge, 17 Versammlungen, 17 Vorstandssitzungen abgehalten.

In welchem Maße sich das Interesse für das Hochgebirge in hiesiger Stadt gehoben, zeigte die Zunahme der Reisen dahin von Jahr zu Jahr. Im Sommer 1900 haben aus kreisen unserer Mitglieder über 50 Personen die Alpen besucht.

Der rasche Aufschwung der Sektion brachte es mit sich, dass die Vorstandschaft verhältnismäßig bald nach einem besonderen Arbeitsfeld Umschau halten konnte. Bereits in den 1893- 1894 wurde mit den Sektionen Erfurt, Weimar und Meiningen wegen eines gemeinschaftlichen Hüttenbaues Verhandlungen gepflogen, welche aber zu keinem Resultat führten und zur Folge hatten, dass die Sektion Erfurt den Hüttenbau allein unternahm.

Vergebens wurde in den folgenden Jahren nach einem Hüttenprojekt gesucht, da brach Anfangs Juli 1898 die Vereins- Mitteilungen eine Notiz der Sektion Salzburg, nach welcher diese beabsichtige, den von ihr geplanten Hüttenbau auf dem Eckerfirst am Hohen Göll bei Berchtesgaden einer deutschen Sektion zu überlassen. Sofort ergriff unser Vorsitzender diese Gelegenheit, und wenige Tage später wohnte er mit noch 2 Mitgliedern unserer Sektion in Salzburg einer Sitzung des dortigen Sektions- Ausschusses bei, in welcher das Hüttenprojekt am Hohen Göll an unsere Sektion abgetreten wurde. Das Referat in jener Sitzung hatte Herr Ludwig Purtscheller, der mit großer Wärme und Begeisterung für den Hüttenbau eintrat und mit dem gesamten Ausschuss der geehrten Sektion Salzburg versprach, uns nach jeder Richtung hin beim Bau zu unterstützen.

Eingeholte Gutachten über das Projekt bei dem hochverehrten Vorsitzenden des Weg- und Hüttenbau- Ausschusses, Herrn Joh. Stüdl, Prag, und beim verehlichen Central- Ausschuss in München fielen glänzend aus, und schon am 10. August 1898 beschloss unsere Sektion in einer außerordentlichen Generalversammlung, welcher der Vorstand der Sektion Salzburg, Herrn Apotheker Carl Hinterhuber, als Fürsprecher beiwohnte, den sofortigen Bau der Hütte. Wenige Tage später, auf der Generalversammlung des Gesamtvereins in Nürnberg, stellte Herr Joh. Stüdl unserer Sektion eine Subvention bestimmt in Aussicht, uns ermunternd, ja sogleich mit den Vorarbeiten zum Bau zu beginnen.

Es gelang, den Bauplatz von den Besitzern der Dürrfeuchten Alpe käuflich zu erwerben und in dem Zimmermeister Jacob Huber sen. in Golling einen Bauunternehmer zu finden; so konnte im Frühjahr 1899 mit dem Bau begonnen werden und im Oktober darauf war derselbe nahezu fertiggestellt. Im Winter 1900 wurde die Einrichtung besorgt und am 22. Juli 1900 fand in Anwesenheit von ca. 400 Personen bei herrlichstem Wetter die feierliche Eröffnung unseres Unterkunftshauses des Purtschellerhauses statt.

Schon am 21. Juli hatte sich eine ganze Anzahl auswärtiger Gäste in Berchtesgaden eingefunden, und die von der geehrten dortigen Schwester Sektion freundlichst arrangierte Vorfeier im Hotel Krone verlief in der schönsten Weise. Der festlich geschmückte Saal und die großen Nebenräume waren dicht besetzt, und nach einem herzlichen Willkommensgruß seitens des Vorstandes der Sektion Berchtesgaden, des Herrn Rentamtmann Kaerlinger, brachten fröhliche Tänze, Schuhplattler, Gesänge und Einzelvorträge die meist in Tiroler Tracht erschienenen Teilnehmer in solcher Stimmung, dass selbst ein zwischen 9 und 11 Uhr niedergehendes schweres Gewitter die Festlichkeit nicht zu beeinträchtigen vermochte . Bis Mitternacht dauerte das fröhliche Treiben und hellster Sternenhimmel erglänzte bereits wieder, als Teilnehmer ihre Wohnungen aufsuchten.

Am 22.Juli früh nach Eintreffen des 7 Uhr Zuges aus Reichenhall, der von Festgästen dicht besetzt war und allein aus Salzburg nahezu 100 Personen brachte, begann mit Musik vom Bahnhof Berchtesgaden aus der Aufstieg zur Hütte, aber schon Stunden vorher waren viele Teilnehmer, die herrliche Morgenfrische benutzend, aufgebrochen.

Um 10 Uhr wurde am Eckersattel der von der geehrten Sektion Salzburg von hier zum Haus gebaute neue Weg feierlich eröffnet und eine Stunde später das festlich geschmückte Purtschellerhaus selbst erreicht, in dessen Nähe sich inzwischen eine große Zahl von Festgästen (ca. 400 Personen) bei prächtigstem Sonnenschein zusammengefunden hatte.

Gegen 11 3/4 Uhr begann die Eröffnungsfeier mit Überreichung des Schlüssels zum Haus durch Zimmermeister Huber an unseren Vorsitzenden. In seiner Festrede schloss der Letztere mit einem Hoch auf die Herrscher der beiden befreundeten hier am Eckerfirst zusammenstoßenden Reiche, Kaiser Franz Josef und Kaiser Wilhelm.

ierauf folgten Ansprachen des Vertreters der k.k. Bezirkshauptmannschaft Hallein, Herrn Landes- Regierungs-Sekretär Proschko, des Vertreters des Zentral- Ausschusses und des Weg- und Hütten- Bau- Ausschusses, Herrn Baurat Rehlen aus München, des Vorstandes der Sektion Salzburg und der Vertreter der Sektion München und Dresden; dann Besichtigung des Hauses und Frühstück im festlich geschmückten Gastzimmer, gegeben von der Sektion Sonneberg, zu welchem leider nur die Ehrengäste und Vertreter der Sektionen geladen werden konnten.

Gewürzt durch viele launige Toaste verlief das Frühstück in animiertester Weise, während die Festgäste im Freien, auf die grünen Matten des Eckerfirstes neben und oberhalb des Hauses in Gruppen gelagert, bei Musik und Gesang sich der Herrlichen Aussicht erfreuend, den Nachmittag verbrachten.

Gegen 5 Uhr erfolgte der Abstieg, und es hatte wohl die Meisten unserer Festgäste schon die Talstation erreicht, als um 8 Uhr wieder ein Gewitter losbrach, durch welches zu unserem Bedauern die in Hallein von der dortigen A.- V. Sektion veranstaltete Nachfeier sehr beeinträchtigt wurde.

Gerne werden sich alle Teilnehmer unserer Eröffnungsfeier erinnern, wir danken denselben für das Interesse, welches sie durch ihre Beteiligung für unser Purtschellerhaus gezeigt haben und danken zugleich auch allen Schwestersektionen und Freunden für ihre zahlreichen Glückwunschschreiben und Telegrammen zum Ausdruck gebrachte Anteilnahme.

Ludwig Purtscheller hat leider die Eröffnung des Hauses, für welches er so besonderes Interesse gezeigt hatte, nicht mehr erlebt, die Sektion Sonneberg aber schätzt sich glücklich, zur Ehrung dieses so früh heimgegangenen bedeutendsten Alpinisten unserer Zeit ein Teil beigetragen zu dürfen und dankt dem geehrten Zentral Ausschuss für die Gewährung diesbezüglichen Bitte.

Die rasche Ausführung unseres Hüttenbaues verdanken wir in erster Linie der liebenswürdigen Unterstützung und Beihilfe des Vorstandes der geehrten Sektion Salzburg. Herr Apotheker Hinterhuber und Herr Dr. Zeppezauer haben uns in einer Weise unterstützt, dass wir ihnen an erster Stelle nochmals den herzlichsten Dank aussprechen müssen, Herrn Dr. Zeppenauer zugleich für die unserer Sektion in freundlicher Weise gewidmete Festschrift zur Eröffnung unserer Hütte: "Der Hohe Göll und sein Gebiet".

Auch Herrn Major von Pelikan in Salzburg besten Dank für das gestiftete, künstlerisch ausgeführte Relief der Göllgruppe, Herr Ober - Ingenieur Georg Ziehr in Rosenheim (früher in Salzburg) für den Plan zur Hütte und den geehrten Sektionen Berchtesgaden, Salzburg und Hallein für die freundliche Unterstützung gelegentlich der Eröffnungsfeier, für Verbesserung der Zugänge zu unserem Haus durch neue Weganlagen, Markierunger etc.

In Anerkennung der großen Verdienste des Vorstandes der Sektion Salzburg, Herrn Apotheker Carl Hinterhuber, um unsern Hüttenbau, beschloss unsere Sektion in der Generalversammlung am 12. Dezember 1899, Herrn Hinterhuber zum Ehrenmitglied zu ernennen; am Vorabend der Eröffnungsfeier unseres Hauses im Hotel zur Krone in Berchtesgaden kam dieser Beschluss unter Überreichung eines Ehrendiplomes durch unseren Vorsitzenden zur Ausführung.

Neben all dieser großen Beihilfe war aber die rasche Verwirklichung unseres Hüttenbaues in der Hauptsache doch dem Umstande zu verdanken, dass gelang, die Beschaffung der Mittel nach dem Plane unseres Vorsitzenden durchzuführen, herzlichsten Dank dem Gesamtverein für die in der Generalversammlung in Passau bewilligte Subvention in Höhe von Mk. 4000.-, herzlichen Dank den hohen Gönnern, den Freunden und Mitgliedern unserer Sektion, die in hochherziger Weise die Mittel zur Einrichtung, sowie Einrichtungsgegenstände selbst gestiftet haben. Herzlichsten Dank auch Frau Witwe Purtscheller, welche die Liebenswürdigkeit hatte, die alpine Ausrüstung Ludwig Purtschellers: Eispickel, Bergstöcke, Steigeisen, Seil und Rucksack uns zu überlassen. Dieselben sind im Gastzimmer unseres Hauses ausgestellt, als Trophäen des Heimgegangenen von seinem Siegeszug durch die Alpen und werden gewiss das Interesse aller Alpinisten erregen.

Zu unserer vollen Zufriedenheit hat unser Bauunternehmer Herr Zimmermeister Huber seine Aufgabe gelöst. Keck in die Lüfte ragend steht unser schmuckes, praktisch eingerichtetes Purtschellerhaus hoch oben am Eckfirst, leicht erreichbar von Berchtesgaden (in 3 1/3 St.) von Hallein (in 4 1/2 St.) von Golling ( in 3 1/2 St.), den Besucher schon von weitem grüßend und für die Mühe des Aufstiegs durch eine herrliche Aussicht reich belohnend.

So war denn auch der Besuch unseres Hauses gleich im ersten Jahre ein sehr guter. Über 900 Personen, abgesehen von den 400 zur Eröffnungsfeier anwesenden, haben sich in unser Fremdenbuch eingeschrieben, 230 Personen haben im Hause übernachtet, und der Hohe Göll selbst ist ca. 150 mal bestiegen worden, ca. 120 mal mit Abstieg über das Hohe Brett. Möge sich unser prächtig gelegenes Purtschellerhaus auch weiter eines lebhaften Besuches erfreuen!

Wir bemerken noch, dass unsere Sektion dem Verein zum Schutze der Alpenpflanzen als Mitglied beigetreten ist, auch wird sie der alpinen Rettungsgesellschaft beitreten.

Mit hoher Befriedigung können wir auf die Leistungen unserer Sektion in den vergangenen 10 Jahren zurückblicken; wir waren bestrebt, die Aufgaben zu erfüllen, die uns einem Glied des großen Gesamtvereins gestellt wurden, möge auch fernerhin die Tätigkeit der Sektion Sonneberg eine erfolgreiche sein!

Der Vorstand der Sektion Sonneberg
Edmund Fleischmann

(Einige Begriffe und Redewendungen des Textes gibt es heute nicht mehr, ältere kennen die aber bestimmt noch. Der Text wurde fast original übernommen, deshalb die manchmal ungewöhnliche Schreibweise.)